1950
Das Bad auf der Reuss

Das Bad ist ein Industriebau in Luzern, eine „Insel“ auf der Reuss, von der Mitte der Spreuerbrücke aus erreichbar. Im 19. Jahrhundert wird dort Spezialstahl für den Export gegossen. In den Jahren von 1910 bis 1960 dienen die Öfen zur Beheizung von Wannenbädern für jene Stadtbewohner, deren Altbauwohnung kein eigenes Bad hat.
Ab 1951 wird die Hälfte des Langbaus von Handwerkern und Künstlern als Atelier oder Werkstatt genutzt.

1951
Firmengründung R. Baltensweiler

Im Heck des Baus, ein Stockwerk über der Plattform, richten sich Rosmarie Schwarz und Rico Baltensweiler ihre Wohn-Werkstatt ein. Rosmarie (1927–2020) arbeitet als Innenarchitektin und Assistentin bei Max Bill in Zürich. Rico (1920–1987) ist als Elektroingenieur bei den Schweizerischen Bundesbahnen in Luzern tätig.
1951 entstehen die ersten zwei Leuchten für den Eigenbedarf, denn auf dem Leuchtenmarkt ist nichts Passendes zu finden.
Es ist mehr ein Zufall, dass Rosmarie und Rico während ihrer „Badizeit“ in diese Branche „gespült“ werden, denn Rico hat noch viele andere „Eisen im Feuer“. Befreundete Architekten, die im Haus verkehren, melden ihr Interesse für die Leuchte an. So wird eine erste Auflage von zehn Stück gebaut. In der Folge bestellt Herr Graber vom Wohnbedarf Zürich eine Serie, die guten Absatz findet.

1954
Schweizer Warenkatalog

1952 erscheint die Leuchte, die TYPE 600 genannt wird, in der Zeitschrift „Bauen + Wohnen“ und 1953 auf dem Titelblatt des Schweizer Warenkataloges. Dadurch wird „Knoll International“, ein exklusives Einrichtungshaus mit Läden in Stuttgart, Paris, Mailand und New York, auf sie aufmerksam.

1956 übernimmt Le Corbusier die Leuchte von „Knoll International“ für seine Musterwohnungen. In seinem „Oeuvre Complète“ finden sich innerhalb der Dokumentation der Villa Shodhan Innenaufnahmen mit der Baltensweiler-Leuchte.

Jacques Tati verwendet sie als Persiflage für modernes Wohnen in seinem Film „Mon oncle“.

Ein Jahr darauf wird sie Exponat im Design-Museum „Neue Sammlung“ in München. Kurze Zeit später wird sie in der „New York Times“ in einer Reportage über
Inneneinrichtungen als Beispiel für modernes Wohnen publiziert.

1955
TYPE 60

Bestellungen aus dem Ausland machen Änderungen am Reflektor notwendig: das Gestänge und der empfindliche Reflektor können nun getrennt werden. Ausserdem wird der Reflektor durch einen Knick formstabiler gemacht. Die empfindlichen Komponenten wie Druckschalter und Fassung sind in einem stabilen Alu-Rohr eingebaut. Dieses Konzept führt zu einer neuen Baureihe von Tischleuchten.

Die Tischleuchte TYPE 60S mit dem Gelenksystem von TYPE 600 findet als Ergänzung zu der Stehleuchte rasch guten Absatz. (Bild rechts)

1956
Manufaktur im Chalet

Werkstatt und Wohnraum müssen getrennt werden, denn einerseits werden die Leuchtenserien immer grösser und anderseits ist aus dem Paar eine Familie geworden. Zwei kleine Kinder, später vier, brauchen ein geeigneteres, sicheres Umfeld. Das neu gekaufte Chalet in Ebikon, am Stadtrand von Luzern, wird diesen Bedürfnissen angepasst: Im Kellergeschoss entsteht eine Werkstatt, im Estrich ein Atelier, dazwischen liegt die Wohnung. Technik und Werkstatt wird von Rico in seiner Freizeit betreut, während er tagsüber als Angestellter der Schweizerischen Bundesbahnen arbeitet. Büro, Design und Produktion mit zwei Mitarbeitern ist in Rosmaries Händen.

1959
Leuchtenserie für Knoll International

Im Auftrag des Einrichtungshauses „Knoll International“ entsteht eine neue Leuchtenreihe. Mit drei verschiedenen Leuchtmitteln, einer Spot-, Soffiten- und einer normalen Glühlampe, sind neun formverwandte Leuchtenvarianten mit unterschiedlicher Lichtwirkung möglich. Reflektor und Leuchtengestänge sind trennbar, damit wird eine minimale Verpackungsgrösse der exportbestimmten Leuchten erzielt.

1961
Pentarkus Leuchte gewinnt Globus Wettbewerb

Pentarkus Leuchte gewinnt Globus Wettbewerb
Das Schweizer Premium-Warenhaus Globus versucht mit einem Wettbewerb die „gute Form“ ins Warenhaus zu holen. Die Arbeitstischleuchte Pentarkus gewinnt das Rennen und wird dort einige Jahre die bestverkaufte Leuchte.
Für Baltensweiler ein zwar ideeller Erfolg, der gesteigerte Umsatz mit der kleinen Gewinnmarge jedoch wird für den Kleinbetrieb mit seinen nunmehr 8 Mitarbeitern zum Kapazitäts- und Finanzproblem.

1967
GUGGERLI

Eine Leuchte aus weissen oder farbigen Kunststoff-Standardrohren mit Ausschnitten und eingeformten Glaskugelträgern. So entsteht eine Produktereihe vom Nachttischlämpchen bis hin zum Leuchtturm mit vier oder fünf Lampenstellen. Leuchtmittel: 40W-Spot-Lampe oder Glühlampe E27.
Das GUGGERLI wird zusammen mit der TYPE 60S, der MINILUX und der Ständerleuchte TYPE 600 in einem renommierten Leuchtengeschäft an der New Yorker Madison Avenue verkauft.

1968
Werkstatt

Ausgediente Reihenbohrmaschinen aus der Uhrenindustrie finden in der umgebauten Werkstatt neue Verwendung. In dieser Werkstatt, wo Werkzeuge, Maschinen und Werkstoffe auf gestalterisch kreative Menschen treffen, entstehen Ideen für neue Lösungen: Gelenke aus gebogenen Rohren, kleine Beulen in Kunststoffrohren als Glaskugel-Halter, Querbohrung im Aluminium-Rohr als sichtbares Gelenk.

Zitat Werni Meyer: „...und unser abtrünniger Schreiner fertigt mit diesem guten Alteisen noch kurz vor Feierabend rauchend einige wichtige Lampenteile“... (Bild links)
Rico (Bild rechts)

1969
ISO

Die Tischleuchte ISO, auch Studentenlampe genannt, soll eine günstige Leuchte mit wenigen Komponenten sein. Das gebogene Kunststoffrohr, ein Isolierrohr, daher der Name, ersetzt aufwändige Gelenke.
Ebenso schnell wie das Kunststoffdesign Anklang findet, endet es gleichzeitig mit der Ölkrise.

In der mittleren Etage, der Montage, werden die Leuchten in Serien zusammengebaut. Grosse Serien der Tischleuchten TYPE 60, TYPE 50 (PENTARKUS), TYPE 35 (MINILUX), GUGGERLI und ISO und deren Verkauf via Warenhaus und dem Globuswettbewerb mit dem Motto „gute Form für jedermann“ bringen die Firma Ende der 60er-Jahre an die Grenzen ihrer Kapazität. Grosse Serien an Tischleuchten kombiniert mit der knapp bemessenen Kalkulation bringen die Firma finanziell in einen Engpass. Fortan wird auf die Entwicklung und Produktion von lichtstarken Stehleuchten gesetzt, die höhere Preise und bessere Margen ermöglichen.

1970
Autostopper und Weltenbummler

Die Mitarbeiterzahl hat sich inzwischen verdoppelt, doch trotzdem nimmt der Arbeitsdruck stetig zu. Um der wachsenden Konkurrenz aus Italien (damals noch Billiglohnland) die Stirn bieten zu können, müssen Ideen und Prototypen schnell umgesetzt werden. Dies bedingt zusätzliche Arbeitskräfte.
Industrie und Grossbetriebe haben in den 60er- und 70er-Konjunkturjahren nicht nur die inländischen Arbeitskräfte aufgesogen, sondern auch die zulassungspflichtigen Fremdarbeiter. Die gesetzliche Regelung gibt den neugegründeten Klein- und Kleinstunternehmen keine Chance, arbeitswillige und rentable Fremdarbeiter einzustellen. In dieser festgefahrenen Arbeitsmarktsituation kommen Ricos Weltoffenheit, Improvisationsgabe und Risikofreudigkeit zum Zug. Auf seinen zahlreichen Lieferfahrten nimmt er immer wieder Autostopper auf, junge Weltenbummler und Aussteiger der 68er-Jugendrevolte. Diese Zusammentreffen führen in vielen Fällen zu kurzfristiger Zusammenarbeit. So bevölkert sich zeitweise nicht nur die Werkstatt, sondern auch die Baltensweiler Wohnung mit langhaariger, bunter Jugend. Die Anforderung an den Werkstattchef und die festen Mitarbeitenden in Montage und Büro ist entsprechend anspruchsvoll.
Patrick (Malaysier), Jeff (Kanadier), Allan (Malaysier)
Rico Baltensweiler (unten)

1971
Zitat von Rico

Zitat von Rico:
„Wir sind ein Kleinbetrieb, ein Familienbetrieb mit wenig Angestellten. Wir fabrizieren ‚moderne' Heimbeleuchtung mit uralten Maschinen. Manchmal ein repräsentatives Grossobjekt in ‚Massarbeit‘.
Manche sagen, wir schwimmen gegen den Strom, aber es macht uns Spass. Die Werkzeuge bauen wir selbst, wie auch das Dach über der selbst gebauten Werkstatt. Die Verwendung von hochwertigen Halbfabrikaten ermöglicht rationelles Fabrizieren in kleinen bis mittleren Serien.
Unser ‚Design‘ entsteht im Spannungsfeld zwischen Zweck und Herstellbarkeit. Der Spielraum ist nicht gross, die Handschrift deshalb unverkennbar.“

1971
Licht – und Planungsaufgaben

Im Kunst- und Kongresshaus Luzern ist eine grossflächige und festliche Beleuchtung gefragt. Kopfspiegellampen in übergrosse Reflektoren einzusetzen passte in diesen Raum. Niemand weiss, dass das Formwerkzeug der Reflektoren von einem Warmwasserbereiter
stammt. Ein Beispiel der Improvisationsgabe von R.+R. Baltensweiler.

Ab Ende der 60er- bis Mitte der 70er-Jahre wird der Kleinbetrieb in Ebikon mit zahlreichen Lichtplanungsaufgaben die eine enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Architekten fordern, sind nicht immer kostendeckend. Sie machen sich aber dadurch bezahlt, dass Marktlücken sichtbar werden und R.+R. Baltensweiler bekannt wird. Gleichzeitig sind sie stetig gestalterisches Training. Sie bringen immer wieder neue Anregungen mit sich, die in die Leuchtenserien einfliessen: Bahnhofrestaurant Bahnhof Luzern, Aula der Van-Leer-Foundation in Jerusalem, Theater und Kunsthaus Luzern, Schauspielhaus Zürich, Kunst- und Kongresshaus Luzern.

Ausschnitt aus einem Gespräch mit Rico Baltensweiler über Licht, Lichtquellen, Beleuchtung und
Design:
„Festlichkeit durch brillantes Licht: Einem völlig indirekt ausgeleuchteten Raum fehlt etwas, das Zentrum, der Massstab, die Orientierung. Durch eine Schar brillanter Punkte, Glühlampen mit sichtbarem Filament, Lichtkonzentration und Brechung in Gläsern, können jene Orte akzentuiert werden, wo sich die Menschen am liebsten die Hände schütteln und da auch gesehen werden“.

1972
Der Klassiker Halo 250

Für die Autoindustrie neu entwickelte Halogenscheinwerfer mit Niedervoltspannung bringen Fahrt in den Leuchtmittelmarkt. Die Halogenbrenner verändern auch das Design der Heimbeleuchtung.
Rosmarie und Rico Baltensweiler wählen als erste Schweizer Hersteller den Hochvolt-Halogenstab für ihre neue Leuchtenentwicklung. Bald stellt sich heraus, dass dieser Entscheid „goldrichtig“
ist. Die lichtstarke HALO 250 (Bild links) erobert rasch ihren Platz im Wohn- und Arbeitsbereich.
Mit der Halogenlampe und dem höhenverstellbaren Reflektor sowie dem am Stehrohr angebrachten Lichtregler lässt sich eine vielfältige Lichtwirkung erzielen. Sie reicht vom gerichteten Arbeitslicht bis hin zur indirekten Allgemeinausleuchtung eines Raumes.
Das zurückhaltende Design, der hervorragende Gebrauchswert und die verblüffende Lichtwirkung führen zum Erfolg. So wird die HALO 250 später zum Designklassiker. Die seriöse Kalkulation und die grosse Nachfrage verhelfen dem Kleinbetrieb endlich zu ansehnlichen Bilanzerfolgen. Und schon bald sprengt die internationale Nachfrage den Produktionsrahmen. Swiss-Lamps übernimmt eine Lizenzproduktion für den deutschen Markt.

1974
Ehemalige Vermicelles-Werkstatt wird zum neuen Standort

Ein Wettbewerbserfolg sowie ein erweitertes Sortiment machen Rico‘s ungeteiltes Arbeitsengagement notwendig.
Nach dem Kauf des Nachbarhauses wird die bereits bestehende Werkstatt des früheren Besitzers vergrössert. Die dazu gehörige Wohnung wird zur Leuchtenmontage modifiziert.

Patchworkmässig folgt schliesslich 1974 eine weitere Bauphase. Die ehemalige Vermicellewerkstatt eines Confisseurs wird durch einen Anbau erweitert, der Dachstock verlängert und zu einem geräumigen Atelier umfunktioniert. Am Umbau ist nicht nur die ganze Familie, sondern auch ein Teil der Mitarbeiter beteiligt.

1984
Manhattan macht die Leuchtstofflampe salonfähig

Neue dünnere Leuchtstoffröhren mit grosser Lichtausbeute, bessere Farbwiedergabe und flimmerfreies Licht mit elektronischen Vorschaltgeräten machen dieses Leuchtmittel „salonfähig“.
Dies ist eine grosse Herausforderung, denn die Akzeptanz des Leuchtstofflichtes fehlt bei den Händler*innen.
R.+R. Baltensweiler setzt auf dieses Leuchtmittel wegen dessen hoher Effizienz. Weg von vom Temperaturstrahler hin zur effizienten Leuchtstofflampe.

Die MANHATTAN S wird zur ersten Stehleuchte mit Leuchtstofflampen und elektronischem Vorschaltgerät für den Wohnbereich. Die Idee der Leuchte, ein Lochblech als Reflektor einzusetzen, um eine brillante Lichtwirkung mit Leuchtstofflampen zu erzielen, ist neu und passt in die Zeit der Postmoderne.
Sie wird Wegbereiterin für ALADIN und ECO, die später im Bürobereich Erfolg haben werden.

1985
Rico Baltensweiler erhält den Kunstpreis der Stadt Luzern

Rico erhält den Kunstpreis der Stadt Luzern. Typisch für diese Zeit ist, dass Rosmarie und Rico nicht als Team ausgezeichnet werden, obwohl Rosmarie Baltensweiler für das Design der Leuchten verantwortlich war.

Auschnitt aus Rico Baltensweilers Dankensrede:
Unsere Umwelt wird in bedrohlichem Masse künstlich: Der Städter eilt von der Gasse zur Unterführung, zum Parkhaus, zum Lift oder zum Wagen; im Einkaufscenter eilt er durch Korridore, dann zum Bus, über die Brücke zum Hochhaus. So wie uns einst die gewachsene Natur vielfältig anregend und abwechslungsreich umgab, so sind wir heute dem Einfluss der verwirrenden Vielfalt unserer Werke ausgeliefert. Urbanist und Industrial Designer sind bemüht, diese Verwirrung in Grenzen zu halten, dem
Chaotischen und dem Amorphen eine dem Menschen entsprechende Ordnung zu geben, Gegensätze nicht aufzuheben, sondern zu harmonisieren: ein formales künstlerisches Anliegen also, bezogen auf Ereignisse des Alltags wie Stadt, Wohnung und Gebrauchsgegenstand. Ein Ideal, das im harten Klima der Wirtschaft nur als Zielvorstellung, als Designermoral im Hintergrund wirkt, motiviert und Grenzen setzt.
Die Designprodukte hatten den Erfordernissen von Werkstoff, rationeller Herstellungsmethode, Funktion und formaler Ausstrahlung zu genügen. So war die Welt in den 60er- und 70er-Jahren in bester Ordnung und die sogenannte „gute Form“ schwamm oben auf. Von der Industrie eben gerade aufgegriffen und rasant verwirklicht, rückte diese „gute Form“ in bedrohliche Nähe von „Uniform“.
Architekten, Urbanisten und Designer besannen sich auf die anregende Vielfalt eines gewachsenen Quartiers, auf den Wert des Nutzlosen. Die Flucht ins Rustikale ist uns allen noch gegenwärtig. Die Abkehr von Plastik und Airportdesign begann. Wohin denn jetzt?
In bedrohlicher Weise werden die Thesen des Club of Rome durch das Schicksal unseres Waldes bestätigt, die Zielrichtung der Grosstechnologie in Frage gestellt.
Neue Bestimmungsgrössen für den Designer tun not: Behutsamer Umgang mit Material und Energie, Schaffen für den Gebrauch und nicht für den Verbrauch sind handfeste Forderungen, die den Designer auf Konfrontation mit manchem Produzenten drängen.
Und überhaupt, wozu denn noch Designer im Zeitalter des CAD? Steht nicht der Designer auf verlorenem Posten? Besser als er berechnet die Maschine Materialgerechtigkeit, Herstellbarkeit und Funktion. Er steht nicht auf verlorenem Posten, denn bei der formalen Ausstrahlung braucht es die Mitwirkung des künstlerischen Menschen. Zur Verdeutlichung: Eine spezielle Art der Computer sind doch die bereits eingeführten Übersetzungsmaschinen. Lassen Sie sich ein Gedicht von Jacques Prévert von der Maschine
übersetzen. Dann verstehen Sie, was CAD kann und wo Eigenschaften verlangt sind, die den Übersetzer respektive Designer mehr denn je in die Nähe des Künstlers rücken, denn gefordert sind von ihm nicht nur profunde Sachkenntnis, sondern Humor und Poesie.

1987
Ein Denker in Licht, ein Asket der Gestaltung

Mit dem völlig unerwarteten Hinschied von Rico Baltensweiler verliert Luzern eine der markantesten Künstlerpersönlichkeiten. Ein Entwickler von Leuchten, Lichtinstallationen, ein Denker in Licht, somit auch ein Naturwissenschafter, der stets auf der Suche nach einer gesamtheitlichen Philosophie war, und zwar konsequent – so lebt der Verstorbene in der Erinnerung. Auch als Asket im Leben und in der Formgestaltung, die geprägt ist von Schlichtheit und Zurückhaltung ... Rico Baltensweiler war ein intensiver Frager, der mehr nach innen als nach aussen schaute. Ein Sucher, der sich bemühte, gesellschaftliche Prozesse zu verstehen ...
(Nachruf aus der LNN)
Rico war ein Naturereignis, ihm beizukommen, ihn einzufangen in Worte, auch rudimentär, auch nur skizzenhaft seiner habhaft zu werden ist ausgeschlossen.
Heftig war er, jawohl, widersprüchlich auch – aber aufrichtig, spontan, verlässlich und innerlich voller Geschichten. Wer erinnert sich nicht der Episode, wo Rico zwei Giraffen von Neapel nach Kuala Lumpur gebracht hat? Als eine von ihnen mitten im indischen Ozean starb, da weinte Rico. Als er den Kunstpreis der Stadt Luzern erhielt, gab er diesen den Spielleuten weiter.
Oder die ungeheuerliche Geschichte, als Rico ein Haarwuchsmittel erfinden wollte?
Aber eben: Alles was man aufzählen mag, sind nur Aspekte von Ricos komplexer Persönlichkeit ...
(Ausschnitte aus der Grabrede von Rolf Brem, ein Künstler aus Luzern)

1987
2. Generation

Zum Zeitpunkt von Ricos Tod unterrichten Tochter Karin (30) als Werklehrerin und Sohn Gabriel (34) als Zeichenlehrer in Luzern. Beide kennen den Betrieb, die Produkte und die Angestellten, da sie von klein auf im Geschäft mitgearbeitet haben.
Als Rosmarie (60) plötzlich allein ist, wird schnell klar, dass der Betrieb im Team mit Karin und Gabriel weitergeführt werden soll. So wird sie motiviert die Lücke, die Rico hinterlässt, zu füllen. Es gelingt ihr das Know-how an die zweite Generation weiterzugeben.
Mit viel Engagement bringt die neue Generation eine frische Dynamik mit neuen Ideen und Strukturen in die Firma hinein.

Ein Beleuchtungsauftrag für das Amtsgericht Luzern wird zum Auslöser für eine neue Leuchte. Mit neuen kompakten Leuchtstofflampen und elektronischen Vorschaltgeräten soll eine Leuchte mit viel Lichtstärke gebaut werden.
Die Stehleuchte ALADIN mit vier Kompaktlampen wird schnell beliebt als Bürostehleuchte. Dort ist anstelle der anonymen Deckenleuchten immer mehr die individuelle Beleuchtung am Arbeitsplatz gefragt. Das innovative Beleuchtungskonzept für Büroleuchten mit Direkt- und Indirektlicht spricht ein neues Kundensegment an: Planer und Architekten im Objektbereich.
Mit der ALADIN (Bild rechts) hat das neue BALTENSWEILER-Team mit einer innovativen Technologie den Schritt in den umkämpften Markt der Bürobeleuchtung gewagt und kann bis Mitte der 90er-Jahre den Vorsprung nutzen.

1989
Die Formensprache des Leuchtendesigns verändert sich

Die Formensprache des Leuchtendesigns verändert sich durch das neue Leuchtmittel. Die neuen Leuchtstofflampen sind gross, breitstrahlend und blenden als Direktlicht.

Feinperforiertes Lochblech ermöglicht einen Leuchtkörper mit blendfreiem Indirekt- und Direktlicht. Der neue Werkstoff erfordert eine Investition in die Blechbearbeitung. Zum Scheren, Stanzen
und Abkanten braucht es neue Maschinen.

BALTENSWEILER schafft den ersten Computer mit einem Auftragsbearbeitungs- und einem
CAD-Programm an. Das Unternehmen schlägt den Weg der Digitalisierung ein.

Das Museum für Gestaltung in Zürich nimmt die Leuchten TYPE 600, TYPE 60, ALADIN, WESIR, KALIF und die HALO in ihre Sammlung auf.

1990
Dreitägiger Firmenausflug

Dreitägiger Geschäftsausflug: Wanderung von Ambri Piotta über den Campolungo nach Fusio
Von links nach rechts:
Gabriel Baltensweiler, Jack Meier, Ana Sancho, Rosmarie Baltensweiler, Rita Gemperli, Urs Brüngger, Ruth Portmann, Brigitta Forster, Evelyna Zemp, Monika Engel, Karin Baltensweiler
Nicht auf dem Bild: Markus Steinegger, Armin Hofstetter, Judith Giger

1991
Grossaufträge von 1991-1995

Mit den Leuchtstoffleuchten dehnt sich der Kundenkreis vom Wohnbereich auf den öffentlichen Bereich aus. BALTENSWEILER erhält immer mehr Anfragen für Beleuchtungen in Banken, Verwaltungsgebäude, Schulen und Bürogebäuden. Dafür setzt sich BALTENSWEILER intensiv mit Beleuchtungsplanung auseinander.

Grossaufträge von 1991 bis 1995:
Uni Tobler, Gymnasium Sarnen, Suter + Suter Zürich, Schwesternhochhaus des Uni-Spitals Zürich, CKW Rathausen, Storchen Basel, Metalli Zug, Staatsanwaltschaft Basel, diverse Bankgebäude etc.

Infolge dieser Grossaufträge fallen neue Aufgaben an: Beleuchtungsplanung, Submissionswesen, Verteidigung der Urheberrechte und es muss eine Lösung für den Platzmangel in der Produktion gefunden werden.

1996
Glasklarer Neubau

Mitte der 90er-Jahre platzt der Betrieb aus allen Nähten. Die Produktion in den beiden Chalets stösst an ihre Grenzen, vorauf ein Verbindungsbau geplant wird.
Der Erfolg der HALO und der ALADIN ermöglicht später den Kauf des Nachbargrundstückes. Bei einem Grossbrand wird das neu erworbene Chalet komplett zerstört. Dies führt zu der Umsetzung
eines Neubaus mit Oliver Schwarz als Architekt. Die Planung der Einrichtung und Haustechnik erfolgt durch Rosmarie, Karin und Gabriel. So finden alle neu angeschafften und alten Maschinen ihren Platz. Der helle Bau und mit transparenter Struktur erzeugt ein neues Betriebsklima und prägt das Erscheinungsbild von BALTENSWEILER

1996
SPAGETTO

Die Konkurrenz schläft nicht. Grosse Firmen übernehmen das Konzept von ALADIN und ECO und können durch die Produktion im Ausland in viel grösseren Serien kostengünstiger herstellen und offerieren.
BALTENSWEILER investiert deshalb wieder vermehrt in Leuchten für den Wohnbereich.
Die SPAGETTO ist ein Versuch die Leuchtstofflampe im Wohnbereich zu etablieren.

1998
TRIAS

Viele Spezialaufträge, die neben den Serieprodukten bearbeitet werden, verlangen nach weiterer fachlicher Unterstützung. Für weitere Designaufgaben und Beleuchtungsplanung wird zum ersten Mal einen Designer angestellt.

Das Design der TRIAS setzt sich zusammen aus dem für BALTENSWEILER typischen Alu-Tubus mit Druckschalter, kombiniert mit den neuen Möglichkeiten der Blechbearbeitung, einem gelaserten und abgekanteten Reflektor.
Um den Anforderungen vom Wohnraumlicht gerecht zu werden, wird ein Halogenleuchtmittel gewählt.

2000
Erste Teilnahme an der Light & Building

BALTENSWEILER präsentiert erstmals an einer Messe ihre neuen Designleuchten, an der Messe „Light & Building“ in Frankfurt.

2001
50 Jahre Baltensweiler Jubiläum

Für das neue kleine Halogenleuchtmittel Halopin entwickelt BALTENSWEILER mit den beiden Designmitarbeitern Lukas Niederberger und Christof Siegerist zwei neue Leuchtenköpfe.
Zum 50-jährigen Jubiläum entstehen zwei neue Modelle PINA und PINO. Sie sind als Tisch- oder Leseleuchten mit dem weiterentwickelten Gestänge der TYPE 60 versehen.
Das 50-jährige Jubiläum wird mit einem 3-tägigen Fest mit Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern, Freunden und Verwandten gefeiert.

2002
Startschuss LED mit ZETT

Bereits seit 2001 macht BALTENSWEILER erste Experimente mit dem Leuchtmittel LED. Diese neuartige kleine Lichtquelle mit maximaler Brillanz und hoher Effizienz fasziniert und veranlasst BALTENSWEILER die Entwicklung auf dieses Leuchtmittel zu setzen, eine Investition in die Zukunft.

Es entsteht die Tischleuchte ZETT. Die kleine innovative Leuchte erhält 2003 die Auszeichnung „Goldener Stecker“ und internationale Anerkennung an der Messe „Light & Building“ in Frankfurt.

2003
ECO LIT

Die Stadt Zürich schreibt einen Wettbewerb für energieeffiziente Bürostehleuchten aus. Trotz dem Ausbleiben vom Zuschlag hat dies zur Entwicklung der Büroleuchte ECO LIT geführt.
Sie wird bei einem Grossauftrag der CSS Tribschen in Luzern eingesetzt. Das gesamte Beleuchtungskonzept des Gebäudes wird von BALTENSWEILER geplant und ausgeführt (Fassadenbeleuchtung, zentrale Erschliessung, Büro- und Aussenbeleuchtung).

2004
PENDOLINO

Da LED noch keine guten Lichtfarben und die Leuchtstofflampen im Wohnbereich bisher wenig Akzeptanz haben, setzt BALTENSWEILER auf IRC-Niedervoltlampen mit erhöhter Effizienz.
Es entsteht zuerst die Hängeleuchte PENDOLINO, ein Schienensystem für lange Tische und später die Leseleuchte TOPOLINO.
Um einen guten Kontakt zu den Händler*innen herzustellen, beginnt BALTENSWEILER mit Kundenbesuchen in der Schweiz und in Deutschland. Der persönliche Kontakt zu den Händler* innen steigert die Verkaufszahlen und zeigt Marktlücken auf, die direkt in die Entwicklung einfliessen.

2005
TOPOLINO Leuchtenfamilie

BALTENSWEILER entwickelt aus Elementen von PENDOLNO die neue Leseleuchte TOPOLINO. Das einfache prägnante Design der stufenlos höhenverstellbaren TOPOLINO überzeugt. TOPOLINO WUP / WAP und TOPOLINO T ergänzen die Leuchtenfamilie

2007
LET Leuchtenfamilie

Die LED-Technologie wird immer besser und revolutioniert ab 2006 die Leuchtenindustrie. BALTENSWEILER setzt auf die Entwicklung von LED-Leuchten, richtet ein neues Lichtlabor ein, entwickelt ein eigenes Messverfahren und macht Langzeittests mit verschiedenen LED-Typen.
Es entsteht die Leuchtenfamilie LET mit flachem Aluprofil. Die niedrige Spannung erlaubt neuartige Leuchtenkonstruktionen wie stromführende Teleskop-Auszüge und Kugelgelenke sowie Magnetkontakte zur Übertragung des Stromes vom Gestänge zum Reflektorprofil. Die Leuchte erhält mehrere Designauszeichnungen.

2008
Zitat von Gabriel Baltensweiler

„Wir interessieren uns nicht nur für Licht und neue Leuchtmittel, sondern experimentieren auch gleich damit in der Dunkelkammer. Wir haben nicht nur Ideen und Konzepte für neue Leuchten, sondern machen auch gleich Modelle und testen diese. Wir produzieren nicht nur unsere Leuchten, sondern richten die Werkstatt auch selber ein und machen eigene Werkzeuge.
Diese kreative Grundhaltung ist unsere Stärke.“
(Gabriel Baltensweiler)

2009
Werkstatt und Montage

BALTENSWEILER ist ein Designhersteller, der im Fachhandel in der Schweiz und im europäischen Raum immer mehr gefragt ist. Ausstellungen in Deutschland, in der Schweiz und in Holland stärken die Marke zusätzlich. Die hohe Nachfrage führt zur Vergrösserung der Manufaktur, die platzmässig im Glashaus an ihre Grenzen stösst. In einem nahegelegenen Quartier werden Räume für die Endmontage, Verpackung und Auslieferung dazugemietet.

2010
Zitat von Karin Baltensweiler

„Im Kleinbetrieb, wo Design, Produktion, Verkauf und Kundenkontakt auf engem Raum miteinander verschmelzen, können neue Ideen schnell und flexibel realisiert werden. Die Balance zu finden zwischen Improvisation und strukturierten Prozessen ist die Herausforderung. Dies setzt Kreativität, Flexibilität und ein gutes Arbeitsklima voraus.“
(Karin Baltensweiler)

2010
OyO

Ergänzend zum bisher eher stringenten und technisch orientierten Design von BALTENSWEILER erscheint die neue, verspielte OyO. Der flache Aufbau und die Kugelgelenke mit Magnetkontakt konnten von der LET adaptiert werden.
Die Stehleuchte wird an der Messe „Light + Building“ präsentiert und erst dort entsteht der Name durch interessierte Messebesucher. Sie wird mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet.

BALTENSWEILER entscheidet sich, die beliebten Modelle HALO, TOPOLINO und PENDOLINO ebenfalls in LED anzubieten.

2011
60 Jahre Jubiläum

AAm 1. Oktober feiert BALTENSWEILER mit Kund*innen, Freund*innen und Mitarbeitenden das 60-jährige Jubiläum. Zu diesem Anlass gibt es eine Raddampferfahrt auf dem Vierwaldstättersee und ein anschliessendes Diner mit Abendprogramm im Hotel Schweizerhof. Für das Jubiläum wird ein Film über Rosmarie Baltensweiler gedreht und die TYPE 600 in einer nummerierten, limitierten und von Rosmarie signierten Auflage in der Ausführung wie das Modell von 1951 produziert.

2012
Neue CNC-Maschinen

In wenigen Jahren steigt der Anteil von LED-Leuchten auf über 90 Prozent des Gesamtumsatzes. Nebst den strukturellen Veränderungen in der Firma bahnt sich auch der nächste Generationenwechsel an. Langjährige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gehen bald in Pension. Ilario, Sohn von Karin Baltensweiler, macht eine zweite Ausbildung, damit er anschliessend die Werkstattleitung übernehmen kann. Auf seinen Wunsch hin und den des Designteams investiert BALTENSWEILER in die CNC-Technologie. Die Firma bildet zwei Mitarbeiter aus und produziert ab 2012 selber Dreh- und Frästeile, die vorher extern bearbeitet wurden.
In der Entwicklung und in der CNC-Produktion wird das 3D-Programm Solidworks zu einem wichtigen Arbeitsmittel.

2014
Umzug nach Luzern

Durch neue grosse Drehbänke wird der Platz im Glashaus trotz teilweiser Auslagerung der Produktion definitiv zu knapp. Diverse Projekte zur Erweiterung vom bestehenden Ort werden geplant. Sie werden verworfen, als BALTENSWEILER im Industriebau Staldenhof in Littau geeignete Räume findet. Sie passen zur Grösse des gewachsenen Betriebes. Der Kaufentscheid fällt, obwohl das Glashaus besser zur Marke BALTENSWEILER passt. Mit grossem Einsatz der Mitarbeiter werden die Räume den Bedürfnissen baulich angepasst. Im Juni 2014 zieht die Montage an den neuen Standort. Ein Jahr später folgt die Werkstatt mit den schweren Maschinen.

2016
LYS

Der Umzug, die Währungsverluste und Umsatzeinbussen nach dem Euro-Einbruch 2015 führen zu Unsicherheiten im Betrieb. Zudem stellt die schnelllebige LED-Technologie das Entwicklungsteam vor ganz neue Herausforderungen. Um mithalten zu können, müssen die LED-Leuchten nach kurzer Zeit auf den neusten Stand gebracht werden. Die Produktepflege wird aufwändiger. All dies hat zur Folge, dass sich die Markteinführung der neuen komplexen Leuchte LYS hinauszögert.
Die einfachen Strukturen des Familienbetriebes werden auf den Prüfstand gestellt.

2017
FEZ

Es ist ein überschaubares Lichtkonzept mit grosser Lichtstärke für den Wohnraum gefragt. Daraus entsteht das Modell FEZ. Der klare Aufbau der Leuchte, kombiniert mit der rückseitigen LED für zusätzliches Indirektlicht führt zu grossem Erfolg. Sie wird mit den Designpreisen „Red Dot Award“ und dem „Design Preis Schweiz“ ausgezeichnet.

2019
Grand Prix Design Award

Rosmarie Baltensweiler wird im Alter von 91 Jahren für ihr Lebenswerk mit dem „Grand Prix Design“ vom Bundesamt für Kultur ausgezeichnet.
Die Antwort auf die Frage von der Reporterin Corinne Gise:
„Wie schauen Sie auf Ihr Leben und Schaffen als Designerin zurück?“

„Schaut man von den Bauhaus-Gedanken her, wollte man ja eigentlich nie modisch sein. Es ging darum, durch eine funktionelle Gestaltung Objekte zu schaffen, die eine Dauerhaftigkeit besitzen. Aber letzten Endes ist eben auch die ganze Bauhaus-Entwicklung eine Modesache geworden. Oder zu einer degradiert worden. Im Grunde genommen kann man nie unmodisch sein. Denn Mode und Wirtschaft spielen immer zusammen. Wenn wir als gestalterischer Betrieb überleben wollen, sind wir sozusagen Gefangene unseres Wirtschaftssystems. Und unser Wirtschaftssystem verlangt ständigen Wechsel.
In meiner Zeitspanne hat sich fast unbemerkt eine technologische Revolution ereignet. Es folgten immer mehr, immer grössere, immer schnellere Flugzeuge, dann immer schnellere, grössere, schönere Autos, immer grössere Bildschirme, raffiniertere Computer, ganz zu schweigen von den vielen Handygenerationen. Auch die Abfallhalden wurden immer grösser und grösser. Musste das sein, Wirtschaftswachstum um jeden Preis?
Natürlich muss sich meine Generation und somit auch ich mich der Frage stellen: Wie konnten wir diese Entwicklung zulassen? Klar ist uns auf jeden Fall, dass wir als fleissige, bestenfalls engagierte Täter mit in diesen Wirtschaftsboom gestolpert sind. Ganz spezifisch auf unser Team bezogen, hat mich der Blick auf unsere Archivmodelle nachdenklich gemacht. Nur wenige dieser Modelle haben sich über die Zeit bewährt und sind im Handel geblieben. Die anderen jedoch werden in Brockenhäusern oder Design-Onlineportalen teuer gehandelt.

Die kommende Generation von Designern und Machern hat nun die Chance, aber auch die Pflicht, weiterhin auf die Qualität und weniger die Quantität in Bezug auf unsere Gebrauchsgüter zu achten. In Bezug auf die Formgebung kann uns nach wie vor das Vermächtnis des deutschen Bauhauses und des schweizerischen Ablegers ‚gute Form‘ ein Leitfaden sein.“

2019
LINIjA

Noch im gleichen Jahr startet das Projekt LINIjA, eine filigranies Leuchtensystem mit Linsenoptik.
Das Team vom BALTENSWEILER freut sich über die zahlreichen Auszeichnungen der verschiedenen Leuchten. Dies stärkt zusätzlich die Position der Leuchtenmanufaktur auf dem Markt.

2019
IRIO

Lichtstarke Wohnraumleuchten sind auf dem Markt immer mehr gefragt.
Das neue vergrösserte Designteam entwickelt die dreiköpfige Stehleuchte IRIO, eine Weiterentwicklung des Konzeptes von der LYS, aber in formaler und funktioneller Hinsicht stark reduziert.
Die Leuchte findet grossen Anklang und wird mit dem internationalen Designpreis „Red Dot Award“ ausgezeichnet.

2020
CIAO ROSMARIE

Rosmarie hat uns am 10. April 2020 verlassen.
Sie hinterlässt ein grossartiges Werk. Ihre Art und Weise, die Dinge zu betrachten, inspiriert uns für die Zukunft.
"Experimentieren - abwägen - überlegen - der Weg zur Zielvorgabe macht Spass und setzt schöpferische Kräfte frei, die am Produkt ablesbar werden.“

„Es ist eine spannende Zeit, ich würde sehr gerne erleben, wie sich die Gesellschaft nach der Pandemie weiterentwickelt.“ Dies sagte Rosmarie Baltensweiler kurz vor ihrem Tod. Rosmarie war interessiert, neugierig und wissbegierig und gerade deshalb blieb sie jung bis ins hohe Alter. Ihr untrügliches Gespür für Gestaltung, ihre Erfahrung im Bereich der Konstruktion, ihr Interesse an interdisziplinärer Zusammenarbeit und ihre Ausdauer haben zum Erfolg geführt. Viele Jahre mit ihrem Mann Rico, dann mit ihrem Sohn Gabriel und der Tochter Karin und mit Lukas Niederberger beschäftigte sie sich nicht „nur“ mit der Form der Produkte, sondern auch mit deren Technik und Nachhaltigkeit. Rosmarie war eine Teamworkerin und immer offen für Neues. Nur so war es möglich, dass die Firma mit der Entwicklung im Leuchtmittelmarkt mithalten konnte: Von der Glühlampe, zur Halogenlampe, zur Leuchtstofflampe und zur LED.
Viele Menschen, auch solche, die sich nicht für Gestaltung interessieren, kennen die Leuchten aus dem Hause Baltensweiler, wissen aber nicht, dass eine Frau einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Leuchten gehabt hatte.
Neben der Arbeit in der Familie und im Betrieb hat sich Rosmarie intensiv mit Literatur, Wirtschaft, Evolution, Geschichte und Politik beschäftigt. Nach dem Tod von Rico fand Rosmarie erst mit Rolf Brem einen guten Freund und schliesslich mit dem Architekten Dani Guttchen eine Liebe aus den Jugendjahren.
Rosmarie kaufte sich in den 1990er-Jahren die obere Etage einer alten Mühle im Pedemonte und zu Beginn der 2005er-Jahre ein Anwesen mit vier Gebäuden oberhalb von Cavigliano. All diese Gebäude und die dazugehörenden Gärten veränderte und renovierte sie noch mit über 80 Jahren.
Rosmarie hatte immer ein offenes Haus. Zuletzt lebte sie in einer Wohngemeinschaft mit ihrer Enkelin Nadja im ehemaligen Atelier der Firma.
Rosmarie verzichtete auf eine Herzoperation. Sie starb am 10. April 2020 im engsten Familienkreis.

2020
3. Generation

Karin und Gabriel übergeben ihr Mandat in der Geschäftsleitung der dritten Generation. In der über 30-jährigen Tätigkeit in der Firma prägten sie den Erfolg der Marke BALTENSWEILER massgebend. Mit ihrer Erfahrung stehen sie den Enkeln von Rosmarie beratend zur Seite.

2020
Zitat Ria und Ilario

Ria Baltensweiler (1987)
Tochter von Jonas Baltensweiler, arbeitet seit 2016 im Unternehmen. Sie hat einen Bachelor in Sozial- und Sprachwissenschaft und arbeitete nach ihrem Studium in einer leitenden Funktion im Detailhandel. Seit 2017 ist sie Mitglied der Geschäftsleitung.

Ilario Meier (1986)
Sohn von Karin Baltensweiler, arbeitet seit 2013 im Familienbetrieb und ist seit 2016 Mitglied der Geschäftsleitung. Ilario hat eine erste Berufsausbildung als Sanitärmonteur und eine Zweitausbildung als Produktionsmechaniker. Eine Weiterbildung im Bereich Personalführung bereitet ihn auf seine Funktion im Familienunternehmen vor. Mit seinen ausgezeichneten Maschinenkenntnissen hat er die Werkstatt auf eine zukunftsfähige Produktion hin aufgerüstet.

„Mit Überzeugung knüpfen wir an die beeindruckende Leistung der 1. und 2. Generation an und führen die 70-jährige Leuchtenmanufaktur weiter. Wir tragen die Werte der Marke BALTENSWEILER in die Zukunft. Unser Ziel ist es auch künftig nachhaltiges Design und raffinierte Beleuchtung zu schaffen. Dabei setzen wir auf Teamarbeit, Innovation und ökologisch sinnvolles Wachstum.“
(Ria und Ilario)

2021
70-jähriges Jubiläum

BALTENSWEILER arbeitet unter der neuen Führung weiterhin mit viel Spass und Engagement. Die bestehenden Leuchtenfamilien werden mit neuen Produkten erweitert.

Die minimalistische Deckenleuchte LINIjA wird ergänzt mit einer Steh- und Tischleuchte. Sie sind auf das Wesentliche reduziert, ohne an Funktionalität einzubüssen.

Die Leuchtenfamilie FEZ wird komplettiert mit einer kleinen Tischleuchte. Sie leuchtet sanft und stimmungsvoll bis hin zu hell und kraftvoll.

Zu unserem 70-jährigen Jubiläum blicken wir zurück auf eine faszinierende Familien- und Unternehmensgeschichte, welche sich unverkennbar in unseren Leuchten widerspiegelt.